Wir haben das Display weggelassen. Hier ist die Begründung.
Die Frage kommt immer wieder. Meistens von Installateuren, manchmal von Kunden, immer gleich: Wie sehe ich, was das Gerät gerade macht?
Der Ampareq Gen3 hat kein Display. Es gibt keine Anzeige, kein Touchpanel und keine Menüführung an der Gehäusefront. Man kann ihn über Handy oder Tablet bedienen und auslesen. Das geht per Bluetooth oder über die Cloud. Das ist eine bewusste Entscheidung, und weil sie oft für Stirnrunzeln sorgt, schreibe ich sie hier auf. Das sind die stärksten Gegenargumente.
Ein Display hat eine begrenzte Lebensdauer.
Der Ampareq Gen3 hält 20 Jahre, 175.000 Stunden, ohne Wartung. Über diesen Designpunkt habe ich hier schon geschrieben. Er gilt für alle Bauteile im Gerät, nicht nur für die, die man interessant findet.
Ein Displaymodul besteht aus Flüssigkristall, Polarisationsfolien, einer Hintergrundbeleuchtung und, wenn es Touch gibt, einer aufgeklebten Sensorfolie. Jede Schicht altert durch die Temperatur, die UV-Strahlung und die Zeit. Die Displayhersteller geben eine Lebensdauer von einigen zehntausend Stunden an. Dabei geht es um die Zeit, bis die Hälfte der Helligkeit verloren geht. Nicht um den Ausfall des Displays. Wenn es dauernd benutzt wird, funktioniert es nicht richtig.
Das Display ist eines der wenigen Bauteile im Gerät, dessen Datenblattlebensdauer unter dem Designziel liegt. Wenn ein wandmontiertes Gerät mit Netzanschluss kaputt geht, muss ein Elektrofachbetrieb kommen. Für eine Anzeige.
Man könnte sagen, dass es nicht so schlimm ist. Nach zwei Minuten wird die Beleuchtung ausgeschaltet und das Display in den Ruhezustand versetzt. Das hochwertige Industriemodul hat einen erweiterten Temperaturbereich. Alles richtig. Es macht das Bauteil teurer und haltbarer.
Ein Display besteht aus einem Loch im Gehäuse.
Das ist der Teil, den man von außen nicht sieht. Er hat mich am meisten beschäftigt.
Eine Anzeige muss in der Gehäusefront einen Ausschnitt haben. Das hat zwei Probleme. Der Ausschnitt wird mit einer Dichtung geschlossen. Dichtungen altern, besonders wenn sie oft der Wärme ausgesetzt sind. Das zweite ist elektromagnetische Verträglichkeit.
In drei Beiträgen ging es um EMV im Hybrid-Wechselrichter. Filter, Magnetik und Schaltflanke beeinflussen gemeinsam das Ergebnis im Messlabor. Ein leitfähiges Gehäuse ist Teil dieser Kette. Jede Öffnung ist eine Schwachstelle. Wie gut sie wirkt, hängt von ihrer Größe und nicht von ihrer Fläche ab. Ein langer schmaler Ausschnitt ist schlechter als ein kleines rundes Loch gleicher Fläche.
Auch die Verbindung selbst ist wichtig. Ein Displaymodul hängt an einem Kabel mit Signalen, das von der Steuerelektronik quer durch das Gerät nach vorne geführt wird, oft in der Nähe der Leistungsstufe. Das Kabel nimmt Störungen auf und trägt sie an eine Stelle, an der die Schirmung unterbrochen ist. Das kann man mit Schirmung, Filterung und leitfähiger Dichtung am Steckverbinder beherrschen. Man hat dadurch Aufwand, den man ohne Display nicht hat.
Beim lüfterlosen Konzept gibt es einen dritten Punkt. Die Oberfläche des Gehäuses ist bei passiver Kühlung wichtig. Die Fläche, die eine Anzeige belegt, kann keine Wärme abgeben. Das Displaymodul selbst hat eine eigene zulässige Betriebstemperatur. Diese liegt meist niedriger als das, was im Gerät sonst erlaubt ist.
Ein Display ist Software, die man pflegen muss.
Eine lokale Bedienoberfläche ist kein Bild, sondern Code. Menüstruktur, Eingabe, Sprachen, Zeichensätze, Fehlermeldungen. Wenn das Modul Touch und einen eigenen Grafikpuffer hat, kommt ein eigener Controller mit eigener Firmware dazu. Das ist bei bedienbaren Anzeigen normal.
Unter dem Cyber Resilience Act ist das kein Detail mehr. Die Softwarestückliste nach Anhang I Teil II muss die enthaltenen Komponenten erfassen. Schwachstellen müssen beobachtet und im Unterstützungszeitraum behoben werden. Dieser Zeitraum beträgt normalerweise mindestens fünf Jahre. Er muss die Nutzungsdauer widerspiegeln. Bei einem zwanzig Jahre alten Gerät ist das eine unbequeme Rechnung. Ein zusätzlicher Controller bedeutet einen zusätzlichen Update-Pfad, der abgesichert und im Fehlerfall zurückrollbar sein muss. Wer Secure Boot ernst nimmt, muss auch die Anzeige bis zum Ende durchdenken.
Die App muss existieren, weil kein Gerät der Welt Verläufe, Ertragsstatistiken und Batteriezustand so darstellt wie ein Bildschirm, den der Kunde schon in der Hand hat. Die Frage ist also nicht Display oder App. Die App hat eine zweite Oberfläche. Diese muss man pflegen und enthält die gleichen Informationen.
Ich halte die folgenden Einwände für berechtigt.
Das Handy ist leer. Ich sehe nichts. Auch Geräte ohne Display haben eine Zustandsanzeige. Sie besteht bei uns aus Status-LEDs mit dokumentierter Bedeutung. Kunden müssen ohne Hilfsmittel erkennen können, ob das Gerät läuft, gewartet wird oder eine Störung vorliegt. Er muss nicht genau wissen, wie voll der Akku ist.
Ohne Cloud bin ich blind. Das wäre ein großer Nachteil. Deshalb ist der lokale Zugang per Bluetooth keine Komfortfunktion, sondern eine Auslegungsbedingung. Die Inbetriebnahme, Diagnose und das Auslesen müssen ohne Internet, Konto und Herstellerserver funktionieren. Ein Gerät, für das man eine Cloud braucht, ist ein Elektroschrott. Das habe ich hier schon mal geschrieben. Der Grund ist diesmal aber ein anderer.
Der Installateur steht im dunklen Keller und die Kopplung klappt nicht. Das ist der praktisch wichtigste Einwand. Er ist eine Anforderung an uns, keine an den Kunden. Wenn die Verbindung zum Gerät schlecht ist, war die Entscheidung gegen das Display falsch. Mir ist es sehr wichtig, dass ich aus der Praxis Rückmeldungen bekomme.
Ich will sehen, was meine Anlage macht. Das ist kein technisches Argument, aber man muss es trotzdem ernst nehmen. Ein Gerät ohne Anzeige wirkt verschlossen. Wer zwanzig Jahre lang etwas im Keller hat, will das Gefühl haben, dass er es kontrolliert. Dafür gibt es eine App, die sofort zeigt, was Sache ist, und man muss sich nicht einloggen.
Auch wenn es noch Displays gibt, sind sie nutzlos.
Die Branche hat das Display nicht abgeschafft. Es gibt immer noch Hybridgeräte, bei denen die Frontanzeige im Datenblatt steht. Im Volumensegment ist sie eher die Regel als die Ausnahme.
Es ist interessanter, was mit ihr passiert ist. Die Geräte mit Display werden inzwischen auch über die App des Herstellers in Betrieb genommen. Damit kann sie nicht mehr wie vorgesehen vom Fachbetrieb eingerichtet werden. Nach zwanzig Jahren muss die Statusanzeige noch halten, obwohl sie kaum noch jemand ansieht.
Wir haben die Konsequenz gezogen. Wir begründen sie, statt sie einfach einzusparen. Denn sonst wirkt es auf den Kunden so, als würde es nicht mehr existieren. Es war die Folge einer anderen Entscheidung. Wenn ein Gerät zwanzig Jahre lang ohne Wartung benutzt werden soll, muss man jedes Bauteil überprüfen, das diese Zeit nicht übersteht.
Die Praktiker unter den Lesern werden gefragt: Wie oft haben Sie das Display in den letzten zwölf Monaten benutzt und wofür?