Die Wärmepumpe ist eingeplant. Der dafür benötigte Strom jedoch noch nicht.
Viele Gemeinden in Baden-Württemberg arbeiten derzeit an ihrer kommunalen Wärmeplanung. Auch meine. In der Bekanntmachung stand, dass Bürgerinnen und Bürger Hinweise geben können. Also habe ich mir die Potenzialanalyse angesehen. Nicht als Hersteller oder Berater, sondern als jemand, der hier wohnt und irgendwann selbst vor der Heizungsfrage stehen wird.
Dabei interessierte mich eine einzige Frage: Wenn der Plan für mein Wohngebiet „dezentrale Wärmeversorgung“ ausweist, also im Klartext Wärmepumpe, trägt dann auch das Stromnetz vor meiner Haustür diese Last?
Was ich gefragt habe:
Ich habe darum gebeten, die Rechenannahmen offenzulegen. Es geht nicht um Geheimnisse, sondern um die Werte, mit denen aus Wärmebedarf Strombedarf wird: Wie viele Wärmepumpen laufen gleichzeitig, mit welchem Wirkungsgrad wird gerechnet und wie fein sind die Daten aufgelöst? Meine Nachricht wurde an den beauftragten technischen Dienstleister weitergeleitet und ich habe eine ausführliche Antwort erhalten.
Was ich erfahren habe
Es wurde ein Wert genannt: eine Jahresarbeitszahl von 3,0. Das bedeutet, dass aus einer Kilowattstunde Strom übers Jahr gerechnet drei Kilowattstunden Wärme entstehen. Für eine Energiebilanz ist das plausibel.
Nur beantwortet es meine Frage nicht. Ein Stromnetz scheitert nicht an der Jahressumme, sondern am kältesten Abend im Januar. Dann laufen in einer Straße alle Wärmepumpen gleichzeitig mit ihrem schlechtesten Wirkungsgrad. Darüber sagt eine Jahresbilanz nichts aus.
Und dann kam der entscheidende Satz. Sinngemäß: „Die Ausweisung einer dezentralen Wärmeversorgung bedeutet nicht, dass die erforderliche Stromnetzkapazität bereits überall vorhanden ist.”
Das ist ehrlich. Die Wärmeplanung ist kein Netzplanungsinstrument, und das wurde mir auch so erklärt. Die Farbe auf der Karte zeigt lediglich an, welche Art der Wärmeversorgung für ein Gebiet sinnvoll erscheint. Sie sagt jedoch nicht aus, ob das Netz dort heute die nötige Leistung liefern kann.
Warum das für Hausbesitzer zählt?
Wer auf der Karte „dezentral“ liest, versteht: Eine Wärmepumpe ist hier der vorgesehene Weg. Das ist eine Investition im fünfstelligen Bereich, die oft nicht in Ruhe geplant, sondern nach einem Heizungsausfall innerhalb weniger Wochen getroffen wird. Der Netzausbau braucht dagegen mit Planung, Genehmigung und Tiefbau eher Jahre.
Die Wärmepumpe muss trotzdem angeschlossen werden. Seit 2024 dürfen Netzbetreiber den Anschluss steuerbarer Wärmepumpen nicht mehr wegen knapper Netzkapazität verweigern oder verzögern. Im Gegenzug dürfen sie die Leistung bei Engpässen drosseln, wobei eine Mindestleistung von 4,2 kW garantiert bleibt. Ob der eigene Hausanschluss für Wärmepumpe, Wallbox und Co. ausreicht, ist eine andere Frage, gerade bei älteren Gebäuden.
Ein Anschluss bedeutet also nicht automatisch eine bestimmte Leistung. Das steht so in keiner Karte.
Genau hier setzen Speicher im Haus an: Sie fangen Lastspitzen selbst ab, bevor sie das Netz erreichen. Das ist einer der Gründe, warum wir bei der Entwicklung des ampareq Gen3 viel Zeit in diese Frage investieren.
Was ich daraus mitnehme:
Für Eigentümer gilt: Der Wärmeplan ist eine Orientierung, aber kein Freibrief. Wer über eine Wärmepumpe nachdenkt, sollte frühzeitig beim Netzbetreiber anfragen, welche Leistung am eigenen Anschluss verfügbar ist. Und das nicht erst, wenn die alte Heizung ausgefallen ist.
Für Installateure und Planer: Die Frage „Was steht im Wärmeplan?” wird kommen. Eine ehrliche Antwort enthält den Satz von oben.
Für Gemeinden: Dieser Vorbehalt muss in den veröffentlichten Wärmeplan aufgenommen werden, und zwar direkt neben der Darstellung der Gebiete. Nicht nur in die E-Mail an den einen Bürger, der nachgefragt hat.
Und für alle gilt: Lesen Sie Ihren Wärmeplan. Der Entwurf wird öffentlich ausgelegt und es sind ausdrücklich Stellungnahmen vorgesehen. Die Karte wird länger wirken als jede Förderrichtlinie.