Gasspeicher, Iran-Krieg und der kommende Winter

Warum jetzt über Eigenversorgung nachgedacht werden muss

Die Heizperiode 2025/26 ist vorbei. Die Versorgung hat gehalten, aber nur knapp, und mit einem Fundament, das für den nächsten Winter Sorgen macht.

Deutschland geht mit etwa 22 Prozent Füllstand in die Einspeicherungssaison. Das ist der niedrigste Ausgangswert seit der Energiekrise 2022. Zum Vergleich: Im April 2025 lagen die Speicher bei rund 35 Prozent, davor in den Rekordjahren 2023 und 2024 teilweise über 50 Prozent.

Schlimmer noch: Ob die Speicher diesen Sommer überhaupt ausreichend befüllt werden, ist offen.

Das eigentliche Problem liegt im Sommer

Nach dem israelischen Angriff auf Irans South-Pars-Gasfeld Ende Februar 2026 und den Gegenangriffen auf das katarische LNG-Exportzentrum Ras Laffan, das weltgrößte seiner Art, ist die globale Flüssiggasversorgung erheblich gestört. Die LNG-Preise sind weltweit stark gestiegen. Die Konsequenz: Der saisonale Sommer-Winter-Spread hat sich ins Negative edreht.

 

Das bedeutet: Gas ist für den kommenden Winter derzeit günstiger als für den Sommer. Damit fehlen den Marktakteuren jegliche ökonomischen Anreize, jetzt einzuspeichern.

Die Initiative Energien Speichern (INES), die 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität vertritt, schreibt unmissverständlich: Die Wiederbefüllung der Gasspeicher werde in diesem Jahr eine außergewöhnlich große Herausforderung darstellen. Technisch sei sie möglich, aber die aktuellen Marktrealitäten unterscheiden sich deutlich von den technischen Modellannahmen.

Die EU-Kommission reagierte Ende März 2026 mit einem Appell an alle Mitgliedstaaten, rechtzeitige und koordinierte Vorbereitungen zu treffen. Ein Appell, kein Mechanismus.

Was viele nicht wissen: Gasspeicher sind kein Tank

Die meisten Menschen stellen sich Gasspeicher wie einen Vorratstank vor: Wenn 30 Prozent drin sind, kann man noch 30 Prozent entnehmen. Das stimmt nicht.

Mit sinkendem Füllstand fällt der physikalische Lagerstättendruck. Die maximale tägliche Ausspeicherungsleistung sinkt, bei Porenspeichern wie sie in Bayern dominieren besonders ausgeprägt. Das bedeutet: Ein Speicher mit 15 Prozent Füllstand kann an einem Spitzentag nur einen Bruchteil der Leistung eines halbvollen Speichers liefern. Bei langanhaltender Kälte im Januar 2027 könnte genau dieses physikalische Limit zur Versorgungsgrenze werden.

Der Zusammenhang zu Strom

Gas ist kein reines Wärmethema, sondern ein Energiethema. Rund 14 bis 16 Prozent des deutschen Stroms werden durch Gaskraftwerke erzeugt (Destatis/Bundesnetzagentur, 2025). In einem Szenario knapper Gasversorgung werden diese Kraftwerke nicht abgeschaltet, aber gedrosselt. Die Netzfrequenz kommt unter Druck. Im Extremfall greift die Bundesnetzagentur zur Lastverteilung, zuerst bei industriellen Großverbrauchern, aber in einer Kaskade kann das die gesamte Netzstabilität beeinflussen.

Dann tritt ein Effekt ein, den viele Hausbesitzer mit PV-Anlage nicht auf dem Radar haben: Netzgekoppelte Wechselrichter schalten bei Netzausfall automatisch ab. Voller Akku, Sonne auf dem Dach, und trotzdem kein Strom. Das ist keine Fehlfunktion, das ist Systemschutz. Aber es ist eben keine Lösung.

Was wirklich hilft: Schwarzstartfähigkeit und Inselbetrieb

Eine PV-Speicherlösung ist dann resilienzfähig, wenn sie ohne Netzsignal arbeiten kann. Das erfordert drei Eigenschaften:

Schwarzstartfähigkeit: Der Wechselrichter kann aus der Batterie heraus ein lokales Netz aufbauen, ohne dass das öffentliche Netz als Referenz vorhanden sein muss.

Echter Inselbetrieb: PV und Batterie versorgen das Haus vollständig und selbstständig, unabhängig vom öffentlichen Netz. Nicht als Notstrom-Reduktionsmodus, sondern als volle Betriebsfähigkeit.

Generatoreingang: Die Anlage kann aus einem Stromgenerator gespeist werden, ob Diesel oder gasbetrieben, und die Batterie darüber laden. Das ist keine exotische Anforderung. Das ist die Backup-Ebene, die THW und kritische Infrastruktur standardmäßig nutzen. Für Wohngebäude und Gewerbeobjekte ist sie noch kaum verbreitet, obwohl die Technik verfügbar ist.

Wer heute plant, schläft 2027 ruhiger

Das ist kein Aufruf zur Panik. Die Versorgung für den Winter 2025/26 war gesichert, das hat sich bestätigt. Aber die strukturellen Schwächen sind unverändert: Die Wiederbefüllung der Speicher hängt an Marktanreizen, die diesen Sommer fehlen. Die Infrastruktur stützt sich auf norwegisches Pipelinegas, das nahe der technischen Kapazitätsgrenze gefördert wird, und auf LNG, das im globalen Bieterwettbewerb mit Asien steht.

Wer 2026 eine PV-Anlage plant oder den bestehenden Hybrid-Wechselrichter bewertet, sollte eine Frage stellen: Was passiert, wenn ein kalter Januar 2027 auf Speicher trifft, die nur zu 65 Prozent gefüllt sind?

Eine Anlage mit echter Schwarzstartfähigkeit, Inselbetrieb und Generatoranschluss ist dann kein Luxus, sondern Basisversorgung.

Werner Böhme ist Gründer und Geschäftsführer der awb-it GmbH in Weil im Schönbuch. Das Unternehmen entwickelt den ampareq Gen3, einen 10 bis 15 kW Hybrid-Batteriespeicher-Wechselrichter mit KI-gestütztem Energiemanagement, Schwarzstartfähigkeit und echtem Inselbetrieb.

Quellen

– INES Gas-Szenarien Update März 2026 (Initiative Energien Speichern e.V.)

– Bundesnetzagentur, Aktuelle Lage Gasversorgung, Stand 12.03.2026

– EU-Kommission, Pressemitteilung 23. März 2026 (Gasspeicher-Appell)

energie-management.consulting, Injektionssaison 2026, 22. März 2026

#Energieversorgung #Gasspeicher #Versorgungssicherheit #Photovoltaik #Batteriespeicher #Inselbetrieb #Schwarzstart #Energiewende #HybridInverter #ampareq #KRITIS #Resilienz #LNG #Energiekrise

Scroll to Top